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Privilegierte Bürgerschützen-Gesellschaft Radeberg i/Sa e.V.

1385 - 1699

Die Entstehung des Schützenwesens reicht in Deutschland bis weit in das dunkle Mittelalter zurück. Die Ursprünge der Schützengesellschaften, welche in ihrem Vereinsnamen ein „privilegiert“ führen, sind meist in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu suchen.
 
Auch im Radeberg des Mittelalters gab es eine Schützen-bruderschaft, gegründet zur Erhaltung und Förderung der Wehrhaftigkeit, also um in Kriegszeiten  die Stadt zu verteidigen sowie Haus und Hof vor Gesindel und brandschatzende Räuberbanden zu schützen. Die Waffen, welche eine bevorzugte Stellung in den Händen der damaligen städtischen Bürgerschaft einnahmen, waren der Bogen und die Armbrust.
Als Gründungsjahr der Radeberger Schützenbruderschaft gilt gemäß der Ersterwähnung im abgebildeten „Zinnß Reg.“ das Jahr 1385
Item
Schock 2 Zinnßen 10

zcum Rex Gegum
nimpt die Bruderschaft der Schützen ein,
1385 Anno fundationis

Fest eingebunden im kirchlichen Mittelalter stiftete die Bruderschaft um 1470 der Radeberger Stadtkirche einen Altar, was ihnen durch Bischof Dietrich von Meißen anno 1473 bestätigt wurde. Diese Stiftung wird dann nochmals im Jahre 1518 erwähnt und die Stifter als Fraternitas Sagittariorum, als Bruderschaft der Bogenschützen bezeichnet.

Da im Solde der Stadt zumeist nur Torwachen, Büttel und Nachtwächter standen war das bürgerliche Schützenwesen als Beitrag zur Wehrhaftigkeit der Stadt gern gesehen und wurde gefördert. Sowieso musste damals jeder bei Erwerb des Radeberger Bürgerrechtes eine volle Ausrüstung vorweisen, ein städtischer Rüstmeister waltete über die in der Rüstkammer des Rathauses niedergelegten Waffen.
Die Radeberger Schützen bedurften natürlich eines Schießplatzes und Schießhauses für Übungen und Zusammenkünfte. Das erste Schießhaus der Bruderschaft erstand beim Obertor, geschossen wurde in einem Stück des Stadtgrabens, etwa dort, wo noch heute ein Rest unserer Stadtmauer zu sehen ist. Als später der Bau eines neuen Schießhaus notwendig wurde wandten sich die Schützen mit der Bitte um eine Beihilfe an den Kurfürsten. „Vater“August war ihnen dann auch günstig gesonnen und in einem Brief vom 27. Februar 1572 bewilligt er den Armbrustschützen zu Radeberg „2 Schindel- und 2 Brettbäume“.
Schon damals beteiligte sich die Schützengilde auch aktiv an öffentlichen Festlichkeiten. Sie trat wohl als Veranstalter auf, nahm meist aber schützende und ordnende Aufgaben wahr, etwa bei kirchlichen Festen und Prozessionen. Die bewaffneten Bürger unserer Stadt sind gelegentlich auch zu besonderen Diensten angefordert worden, wenn auch nicht in einen Kampf gekommen. Anno 1575 marschierten die Radeberger Schützen mit einem Bürgerausschuss gar nach Dresden, um bei der Anwesenheit des Kaisers Maximilian II. und anderer Fürsten den Wachdienst mit zu versehen. Und auch seitens des „Raths zu Radeberg“ erfuhren die Bürgerschützen immer hohe Wertschätzung, er spendete z.B. „zur Aufmuntherung“ anno 1587 ganze 13 Wochen lang jede Woche 4 Groschen zu beliebiger Verwendung.

Für das Jahre 1601 erfahren wir aus einem „Aktenheft Des Raths zu Radeberg“ Interessantes zum damaligen Schützenleben: „Die Radeberger Schützen haben von der Stadt Pirna auf dem dort abgehaltenen Landschießen ein Schützenkränzlein verehrt erhalten, sie wollen nun auch ein solches Schießen abhalten zu Kurzweil, Übung und nachbarlicher Freundschaft ... Ein allgemeines und freies nachbarliches Gesellenschießen auf den Spanvogel mit der Armbrust soll es sein, so wie es der Tradition und Gewohnheit seit langem entspricht“. Wer den Vogel von der Spille abschießen wird, soll einen silbernen, ganz vergoldeten Becher im Werte von 16 Talern erhalten, wer einen Span schießt, bekommt 1 kurfürstlichen Taler. Dabei darf kein „unbeschrieben Bolzen“ geschossen werden. Der angeschriebene Dresdner Rat sollte nicht nur seine Schützen, sondern auch „denen vom Adel, den Schössern und anderen, die sich in ihrer Nachbarschaft befinden und zu dieser Kurzweil Lust haben“ melden. Die Gäste sollen gegen eine Einlage zugelassen werden und Herberge finden gegen „ziemliche Bezahlung“.
 

                                                           Radeberg im Jahre 1627  

            

Bis in den 30jährigen Krieg hinein fand in Radeberg jedes Jahr ein Vogelschießen statt.Vergeben wurde die alte Würde des Schützenkönigs und es war auch damals nicht ganz einfach, König zu sein. Ganz abgesehen von der erforderlichen Schießkunst hatte dieser nämlich sämtliche Schützen an der Königstafel zu bewirten und in den Schatz der Bruderschaft „ein silbern“ Schild zu geben.
Im Verlauf des Krieges raubten plündernde Kroaten unserer Schützengesellschaft allen Vorrat nebst einer großen silbernen Kette und über 30 dieser silbernen Schilder. Noch lange nach dem Kriege, im Jahre 1678, klagten sie diesen Schaden dem Landesherrn und erbitten eine Begnadigung von 20 Gulden, um endlich wieder ein richtiges Vogelschießen abhalten zu können.  Auch war das Schießhaus am Obertor so baufällig geworden, dass es abgetragen werden musste. Ob der Kurfürst gnädig war ist nicht überliefert, aber der damalige Bürgermeister Christoph Kleppisch ließ 1693 an der Stelle des Alten auf eigene Kosten ein neues Schießhaus erbauen.Und wenn so auch zeitweise behindert oder sogar lahm gelegt, bestand die Radeberger Schützengesellschaft doch immer weiter.
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